“Liccle Bit”

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Alex Wheatle:Liccle Bit
Der Kleine aus Crongton
Kunstmann Verlag € 18,00
Jugendbuch ab 14 Jahre

Liccle Bit, so wird der 14jährige Lemar Jackson von seinen Freunden genannt, ist zwar nur der Zweitkleinste in der Klasse, aber dieser Spitzname ist ihm hängengeblieben. Er lebt in einer zusammen mit seiner Mutter, Großmutter, seiner Schwetser und deren Säugling in einer kleinen Wohnung. Sein Vater lebt bei einer anderen Frau. Tagsüber ist er mit Jonah und McKay zusammen, die ihn zwar dauernd necken, aber doch ein engverschweisstes Freundestrio sind. Als Liccle Bit ein Date mit dem heissesten Mädchen der Schule hat, können sie es kaum fassen.
Das Leben in Crongton (einem Stadtteil einer großen englischen Stadt) ist nicht einfach. Die Familie bemühen sich, dass sie ihren Lebensunterhalt verdienen können. Gleichzeitig herrscht ein Bandenkrieg zweier Gangs. Der Anführer aus Liccle Bits Viertel ist gleichzeitig der Vater des Säuglings seiner Schwester. Liccle Bit berichtet selbst aus seinem Alltag und obwohl daraus ein düsterer, brutaler Jugendroman mit gut und böse werden könnte, legt der Autor seinem Helden eine lockere, freche, witzige Sprache in den Mund. (Ich habe mir sogar die Musik angehört, die Liccle Bits Schwester hört). Liccle Bit bekommt zwar von vielen Seiten Steine in den Weg gelegt, er meint, dass sich alle gegen ihn verschworen haben, seine Mutter meckert nur an ihm herum, seine Schwester zeigt ihm die kalte Schulter, und doch halten sie zusammen, wenn es darauf ankommt. Alex Wheatle trifft einen flotten, coolen, frechen Ton, der nicht anbiedernd ist.
Auch als Liccle Bit durch seine Gutmütigkeit in falsches Fahrwasser gerät, merken wir, dass er den Weg heraus schaffen wird.
Neben dieser lockeren Sprache, und dem Leben auf der Straße, erleben wir mit Liccle Bit, wie er sich Sorgen und Gedanken macht und dann wird es wirklich ergreifend schön.

“Ich merkte, wie mein Herz sich wie ein aufblasbarer Strandball im Swimmingpool wieder an die Oberfläche poppte.”

Ich freue mich schon auf den zweiten Teil, der im Spetember erscheinen solll.

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“Was wird aus uns”

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Antje Damm:Was wird aus uns?
Nachdenken über die Natur
Moritz Verlag € 18,00
Für Kinder ab 6 Jahren

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Von Antje Damm haben wir schon einige Bücher hier auf dem Blog vorgestellt. Einzigartig ist Ihre Art, uns Wissen beizubringen. Sie sucht sich ein alltägliches Thema heraus und plötzlich sind wir mitten in philosophischen Fragen, in Dingen, die unser gemeinsames Leben bewegen.
So auch hier. In über 60 Fragen und doppelt sovielen Fotos und Illustrationen zeigt Sie uns ihre unterschiedlichen Blinkwinkel auf das Thema Natur. Sie möchte, dass wir uns Antworten überlegen und vielleicht auch eigene Fragen einwerfen.
Haben Pflanzen Rechte? Wie wäre es, für immer in der Wildnis zu leben? Was können wir von der Natur lernen? Welche Frage würdest du gerne einem Tier stellen?
Das kleine Format ist ihr Markenzeichen und somit haben wir die Möglichkeit, dieses “Bilderbuch” immer mal wieder mit in den Rucksack zu stecken. Denn zu entdecken gibt es unendlich viel in diesem Buch und noch mehr Anregungen für neue eigene Ideen.

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Mein kleines großes Geheimnis

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Èric Battut:Mein kleines großes Geheimnis
Aus dem Französischen von Christiane Lawall
Annette Betz Verlag
Bilderbuch ab 3 Jahren

Der kleinen Maus fällt ein roter Apfel vor die Pfoten. Erstaunt und erfreut nimmt sie ihn und vergräbt ihn. “Das bliebt mein Geheimnis”, sagt sie.
Nach und nach kommen verschiedene Tiere und fragen, was denn die Maus da habe. Sie antwortet aber jedes Mal, dass das ihr Geheimnis sei.
Was sie allerdings nicht sieht, ist, dass hinter ihr aus der Erde etwas Grünes wächst, das einen braunen Stamm bekommt und grüne Blätter. An diesem Apfelbaum hängen dann viele Äpfel, die alle auf den Boden fallen, so dass für jedes Tier einer übrigbleibt.
Diese kleine Geschichte hat Èric Battut liebevoll illustriert, lässt viel freien Raum auf den Seiten und unterlegt das Wort Geheimnis mit einer anderen Farbe, so dass sich die Farben im Bild im Text widerspiegeln.

Leider habe ich keine Abbildungen gefunden, aber dieses kleine Video, in dem durchs das Buch geblättert wird.
Viel Vergnügen damit.

“Krokodrillo”

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Giovanna Zoboli / Mariachiara di Giorgio:Krokodrillo
Bohem Press € 16,95
Ein Bilderbuch ohne Worte für Kinder ab 3 Jahre

Das Bilderbuch kommt zwar ohne Worte aus, hatte aber doch ein Problem mit einem Wort. “Krokodil” oder “Cocodrillo”? Nun, die beiden jungen Italieren hatten es da leichter und der schweizerische Bohem Press Verlag hat sich für ein Ding dazwischen entschieden. Und: Es passt. Denn das Krokodil ist in diesem Buch auch ein Zwischending. Es ist eindeutig ein Krokodil, benimmt sich aber wie ein Mensch.
Der Wecker klingelt, er zieht die Vorhänge auf, macht Toilette, frühstückt und macht sich auf den Weg zur Arbeit. Ob das jetzt Mailand, oder Berlin, oder New York ist, spielt keine Rolle. Aber was er auf diesem täglichen Weg alles erlebt, wen er alles trifft, welche anderen Tieren er zwischen den vielen Menschen trifft, das ist schon wichtig. Da müssen wir die Augen ganz groß aufmachen. Egal, wenn wir das Buch zuende geblättert haben, fangen wir eh wieder von vorne an. So verblüffend ist die Arbeitsstelle des Krokodils und wir wollen wissen, wo die beiden Künstler ihre Fährten ausgelegt haben.
Mit großer Leichtigkeit und immer wieder verblüffenden Perspektiven haben die Buchmacher ein besonders Bilderbuch für Kinder ab 3 Jahren geschaffen, das uns Großen sicherlich auch große Freude bereitet.

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Die Nervensäge, meine Mutter, Sir Tiffy, der Nerd & ich

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Michael Gerard Bauer: “Die Nervensäge, meine Mutter, Sir Tiffy, der Nerd & ich”
Aus dem Englischen von Ute Mihr
Hanser Verlag € 16,00
Jugendbuch ab 12 Jahren

Wie schafft ein Mann Jahrgang 1955 eine Frau Jahrgang 1970 dermaßen mit einem Teenie-Buch zu begeistern wie Michael Gerard Bauer mich?
Er trifft den Ton,den leicht-gequälten Ton einer 15- fast 16Jährigen,die locker-leicht, witzig über den neuen Partner ihrer Mutter (Nervensäge) spricht, kurz vor dem Abschlußball ihrer Schulzeit steht(ohne Freund oder männlichen Partner (Nerd?)) und dann beginnt die Geschichte auch noch an einem Freitag,den 13..
Da nächste Woche mal wieder so ein Freitag,der 13. ist und das Buch wirklich gut geschrieben ist, Michael Berard Bauer mich schon mit “Nennt mich nicht Ismael!” begeistert hat, lege ich Ihnen Buch und Autor ans Herz.

Leseprobe

Auf der Internetseite des Verlages habe ich noch dieses gefunden:

5 Fragen an …
Michael Gerard Bauer

Die Nervensäge, meine Mutter, Sir Tiffy, der Nerd & Ich ist aus der Sicht eines Mädchens geschrieben. Warum?
Der Roman ist aus einer Kurzgeschichte heraus entstanden, in der ein Mädchen und ihr Stiefvater in einem Supermarkt auf einen betrunkenen und gewalttätigen Motorradfahrer treffen. Diese beiden Figuren sind zu Maggie und Danny, der Nervensäge, geworden. Als ich die Geschichte geschrieben habe, wollte ich, dass Maggie ihre Sicht der Dinge wiedergeben und erzählen kann, mit all ihren Gefühlen und ihrer eigenen Persönlichkeit. Ich habe schon viele Geschichten aus der männlichen Perspektive geschrieben und wollte unbedingt mal eine Geschichte mit einer weiblichen Hauptfigur schreiben. Ich mag Maggie, sie war mir nah und ihre Stimme war mir vertraut. Es fühlte sich eher so an, als würde ich sie begleiten, statt sie zu „erfinden“. Aus der Maggie-Mädchen-Perspektive zu schreiben, war im Grunde nicht anders, als aus einer männlichen Perspektive wie der von Ismael Leseur zu schreiben. Aber darüber müssen schlussendlich die Leser entscheiden.

Ist es anders, für jugendliche Leser zu schreiben als für Kinder?

Was das Thema und die Komplexität der Sprache angeht, ist es anders, aber im Grunde zielt das Schreiben ja auf dasselbe ab: darauf, etwas zu schreiben, das die Leser mögen und in dem sie sich wiederfinden. Ein Autor ist immer der eigene erste Leser. Er muss etwas schreiben, das er selbst lesen möchte, eine Geschichte, die ihn bewegt und rührt. Also schreibe ich vielleicht für das noch vorhandene Kind in mir, wenn ich für jüngere Leser schreibe.

Sie behandeln ernste Themen auf eine sehr leichtfüßige und amüsante Weise. Wie zum Beispiel in Ismael das Thema Mobbing. Ist das Ihr spezielles Talent oder das Ergebnis harter Arbeit?
Man sagt ja, dass es eine feine Grenze gibt zwischen Komik und Tragik, und ich finde, das stimmt. Ich bin ein ziemlich emotionaler Mensch. Ich lache viel, bin aber auch nah am Wasser gebaut und habe schnell Tränen in den Augen – ob vor Lachen oder vor Traurigkeit. Ich mochte schon immer das Komische – in Büchern und Cartoons, im Fernsehen oder im Film – und ich bin ein Fan von vielen Comedians. Vielleicht habe ich mir unbewusst viel von diesen Humorexperten abgeschaut. Ich glaube, dass Humor sehr wichtig ist: in der Literatur, in der Kinder- und Jugendliteratur und natürlich generell im Leben. Wenn du über ein Problem lachen kannst, dann kannst du es auch nüchtern betrachten. Lachen ist eine Form von Trotz, es gibt dir Kraft und Stärke. So, als würdest du zu dem Problem sagen: „Du bist zwar ernst, aber du bist nicht größer als ich. Du wirst mich nicht kleinkriegen.“
Mit Humor zu schreiben ist für mich sehr naheliegend und folgerichtig, aber so wie jedes Schreiben ist es auch harte (Denk-)Arbeit. Ich mag es, humorvolle Szenen mit ernsten zu mischen. Zusammen machen sie die Geschichte stärker und intensiver und sie reflektieren das Leben, wie es ist. Wie sagt man so schön: Manchmal sollte man einfach lachen, wenn etwas schiefläuft. Natürlich ist nicht immer alles locker-lustig, und als Autor musst du wissen, wo du die Grenze ziehst.

In einer Patchwork Familie zu leben, scheint heutzutage völlig normal und alltäglich. Aber für die betroffenen Kinder ist es sicher nicht immer leicht. Wollen Sie Ihnen dabei helfen, ihre individuelle Situation besser zu akzeptieren?
Es gibt viele verschiedene Lebenssituationen, und ich denke, solange es die Liebe ist, die die Menschen verbindet, ist das alles, was zählt. Leider aber ist das oft nicht so. Maggie zum Beispiel ist verstört und verwirrt aufgrund der Scheidung ihrer Eltern, und da kann ich nicht einfach zu ihr sagen: Akzeptiere die Situation! Aber wenn ich mit ihr reden würde, dann würde ich sie wahrscheinlich wie Schwester Evangelista dazu ermutigen, die Dinge von einer höheren Warte aus zu betrachten und das Gute und Gelungene in ihrem Leben in den Blick zu nehmen und weniger das, was nicht so gut gelaufen ist. Und ich würde ihr sagen, dass es vielleicht nicht immer um einen selbst geht im Leben, auch wenn man das meint. Das sollten wir uns wahrscheinlich alle öfter ins Gedächtnis rufen.

Gibt es ein reales Vorbild für Maggie?
Niemand Speziellen. Als Lehrer habe ich viele Mädchen im Teeniealter unterrichtet und auf meinen Lesungen in Schulen spreche ich regelmäßig mit Schülern, also habe ich im Laufe der Jahre viele „Maggies“ getroffen. Und auch meine eigene Tochter Meg ist wahrscheinlich teilweise in Maggie verewigt. Ein paar von den Spitznamen, die Maggie so verhasst sind, wie zum Beispiel „Maggles“, „Meggles“ oder „Meggie-Mo“, rühren von Spitznamen für Meg her, die meine Frau und ich verwendet haben. (Ich bin sicher, Meg macht es überhaupt nichts aus, dass ich das hier erwähne!) Aber die Figur Maggie ist nicht meiner Tochter nachempfunden! Allerdings … ich meine mich zu erinnern, dass Meg einmal ziemlich überreagiert hat als Teenager, etwa so wie Maggie im Buch. Vielleicht war es auch zweimal. Oder vielleicht gar …
(Newsflash: Es könnte vielleicht sein, dass ich einiges gemeinsam habe mit der Nervensäge.)

Judith Burger: “Gertrude grenzenlos”

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Judith Burger:Gertrude grenzenlos
Ulrike Möltken (Illustr.)
Gerstenberg Verlag € 12,95
Ab 13 Jahren

Ina kommt oft zu spät in die Schule, bekommt ständig Ärger mit der Lehrerin und wird von ihrer Nebensitzerin auch nur streng zurechtgewiesen. Dann kommt eines Tages Gertrude neu in die Klasse, Gertrude, die ganz anders ist, Westklamotten trägt und sogar nach Westwaschmittel riecht. Ina kennt diesen Geruch von einem einmaligen Besuch im Intershop, in dem sie mit ihrer Mutter gewesen und überwältigt von der Buntheit und Vielfalt der Waren war. Ina und Gertrude werden Freundinnen, doch das ist weder den Lehrern, noch den Eltern der beiden Mädchen recht. Gertrudes Eltern sind sogenannte Staatsfeinde, der Vater schreibt Gedichte, die Familie geht in die Kirche und weil es für sie unerträglich ist in Unfreiheit zu leben haben sie einen Ausreiseantrag gestellt.
Doch Ina und Gertrud lassen sich ihre Freundschaft nicht verbieten und leben mutig das Gegenteil von dem, was viele andere aus Angst und Parteitreue vermeiden. Es gelingt Ihnen sogar, dass Inas Mutter die Eltern von Getrude besucht und dadurch in Kauf nimmt auch von der Stasi beobachtet zu werden. Ina und Gertrude sind glücklich endlich ihre Freundschaft leben zu dürfen und doch Ina hat grosse Trauer, wenn sie daran denkt, dass der Tag kommen kann, an dem der Ausreiseantrag von Getrudes Familie genehmigt wird.

Ein tolles Jugendbuch, das von den Siebzigerjahren in der DDR erzählt, schon Geschichte für viele und kaum mehr vorstellbar in der jüngeren Generation. Ein Buch, von zwei mutigen Mädchen und deren wunderbarer Freundschaft.

Julie Jewels – Perlenschein & Wahrheitszauber

Emilia Wiltschek (12 Jahre) empfiehlt:

Marion Meister:Julie Jewels – Perlenschein & Wahrheitszauber
S.Fischer Verlag € 16,99
Kinderbuch ab 12 Jahren

 

Julie ist ein ganz normales Mädchen, das Schmuck über alles liebt und das endlich seine langersehnten 16 Jahre alt wird. Wenn sie da nicht das Gespräch an ihrem Geburtstag zwischen ihrem Vater und ihrer Mutter belauscht hätte, in dem es darum ging, dass ihre Mutter ihr das Geschenk nicht geben wollte, das sie von ihrer Oma geschickt bekommen hatte. Denn ihre Mutter hatte schon Jahre nicht mehr mit ihrer Mutter geredet. Ihr Vater aber besteht darauf, dass sie das Geschenk bekommen soll. Hätte Julie das Gespräch nicht belauscht, so hätte sie nie etwas von dem Geschenk mitbekommen und sie hätte auch nicht nach ihm gesucht. So aber war ihr Interesse geweckt. Sie wollte das Geschenk haben!!! Als ihre Mutter einmal nicht ihm Haus war, durchforstet sie alle Zimmer bis sie das kleine, an sie adressierte Päckchen im Keller findet. Es ist eine Schmuckschatulle!!!! Als aber ihre Freundin und sie herausfinden, was wirklich in ihr steckt, stellt sich ihre Welt auf den Kopf. Sie bringt ihren Mathelehrer dazu die richtigen Antworten auf die Tafel zu schreiben und ihren Freund in Lebensgefahr. Was ist bloß los mit der Schmuckschatulle????? Findet es heraus, in dem ihr das Buch lest!!!!!
Es ist genau das Richtige für Leute, die gern Fantastisches lesen und die Schmuck lieben.
Viel Spaß bei Julie Jewels.
Eure Emilia

Der erste Band dieser magischen Trilogie ist auch optisch ein richtiges Schmuckstück: Mit hochwertig veredelter Sonderausstattung mit Metallic-Lack und verdecktem Buchschnitt funkelt und glitzert er wie ein echtes Schmuckkästchen!

Weitere Bände der Serie in Vorbereitung:
Julie Jewels – Silberglanz und Liebesbann (Erscheint im Herbst 2018)
Julie Jewels – Mondsteinlicht und Glücksmagie (Erscheint im Frühjahr 2019)