Katherine Paterson: “Gilly Hopkins. Eine wie keine”

1978 ausgezeichnet mit dem National Book Award in den USA, 1980 schon einmal in deutsch und jetzt in einer Neuübersetzung von Sibylle Schmidt.

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Katherine Paterson: “Gilly Hopkins”
Eine wie keine
Sauerländer/S.Fischer Verlag € 12,99
Kinderbuch ab 10 Jahren

So etwas kann passieren. Wir lesen im Laden diese Neuerscheinung, finden sie prima, unterhaltsam und freunden uns mit der Hauptperson Gilly an und merken erst nach der Lektüre, dass das Buch schon fast 40 Jahre auf dem Buckel hat. Als ich Netz etwas herumsuchte, fand ich viele Seiten, Videos, Besprechungen, selbstgemachte Filme zu diesem Buch, das in den USA zum Lesekanon gehört. Das wird der Roman hier in Deutschland nicht schaffen, aber er erzählt eine sehr einfühlsame Geschichte, wie wir sie vielleicht aus dem noch deutlich älteren Klassiker “Der geheime Garten” kennen.
Die elfjährige Gilly Hopkins, eigentlich Galadriel (aus dem Roman “Herr der Ringe” von Tolkien, wie es eine Lehrerin zu Gilly sagt, die dies selbst nicht wusste) ist ein Pflegekind und wird von einer Familie zur nächsten weitergereicht. So rebellisch und aufsässig sie auch ist, so träumt sie doch davon, dass ihre Mutter Courtney sie wieder zu sich zurückholt. Doch dieser Traum hat sich noch nicht erfüllt. Gilly macht es ihrern Pflegeeltern, den Lehrern und Sozialarbeitern nicht leicht. Sie provoziert, sie prügelt und ist pampig. Sie patzt die Erwachsenen an und stößt Mitschüler vor den Kopf.
“Gilly, … es ist enorm wichtig für micht, dass du dir Mühe gibst.”, so beginnt der Roman und Gilly befindet sich im Auto ihrer Betreuerin, die sie zu einer neuen Pflegemutter bringt. Gilly sitzt teilnahmslos neben ihr, lässt eine Kaugummiblase platzen, so dass ihre Haare damit verklebt sind. Wieder eine neue Familie, wieder eine neue Schule und immer noch keine Nachricht von ihrer Mutter Courtney. Als Gilly Maime Trotter gegenübersteht, als sie ihr dunkles, altes, staubiges Haus betritt, merkt sie, dass es jetzt nicht mehr schlimmer kommen kann. Im Haushalt wohnt noch William Ernest ein sehr schüchterner Junge, der sich hinter dem Rockzipfel der alten, dicken Dame versteckt. Doch Trotter lässt sich von der genervten Art von Gilly nicht einschüchtern und zeigt sich das ganze Buch hindurch von einer einnehmenden, freundlichen, positiven Seite. Die ersten Tage im neuen Heim und in der neuen Klasse sind nicht einfach. Es gilt einen blinden, alten schwarzen Nachbarn zu betreuen, den Klassenstoff aufzuholen und sich in der Schule neu zu positionieren. Gilly macht dies mit einer eigenen Taktik und meint, je schlimmer sie sich benimmt, umso schneller kommt sie zu ihrer Mutter zurück, oder ihre Mutter holt sie endlich ab. Als Gilly eine Schulfreundin und Eilliam Ernest dazu missbraucht beim blinden Nachbarn Geld zu klauen, um sich eine Busfahrkarte nach San Francisco zu kaufen, scheint die Situation zu eskalieren. Aber Trotter stellt sich wie selbstverständlich vor ihren Schützling und lässt nichts auf sie kommen. Mit ihrer Wärme schafft sie es Gilly kaltes Herz aufzutauen. Als ein Brief von Gilly in den Händen des Sozialamts landet, erscheint Gillys wahre Grossmutter und nimmt sie mit zu sich. Gerade in dem Moment, wo sie sich mit ihrer Situation bei Trotter versöhnt hat. Aber nun gibt es keinen Weg zurück. Das amerikanische Recht lässt hier keinen Spielraum.
Gilly hat sich jedoch zum Guten entwickelt, strahlt nun ihrerseits eine große Wärme aus und hat William Ernest nützliche Tipps mit auf den Weg gegeben, der sich dabei gleich eine blutige Nase holt. Als Gillys Mutter tatsächlich auftaucht, könnte ….
Ach, ich schreibe nicht mehr weiter. Das sollten Sie selbst machen.
Ein wunderbar warmherziges Buch, das zwar in den 70er Jahren der USA spielt, aber von seiner Aktualität nichts verloren hat. Die Entwicklung, die Gilly durchmacht, tut so gut, dass einem am Ende fast die Tränen kommen.
Verschenken Sie das Buch an Mädels ab 10 Jahren. Sie werden es verschlingen.

Das Buch wurde 2014 verfilmt, ist wohl aber nie auf dem deutschen Markt aufgetaucht. Schade.

Leseprobe

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