Bobbie Pyron: “Plötzlich Glückspilz”

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Bobbie Pyron: “Plötzlich Glückspilz”
Aus dem Amerikanischen von Gerda Bean
Thienemann Verlag € 12,99
als eBook € 9,99
Kinderbuch ab 10 Jahren

Beginnen wir doch gleich mit dem Motto des Buches, das von einem Ulmer stammt:

“Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben:
Entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder
so, als wäre alles eines.”
Albert Einstein

Ein Wunder ist es schon, was hier beschrieben wird.
Aber dazu komme ich gleich, denn der elfjährige Nate könnte ein Wunder gut gebrauchen. Er hat das Pech gepachtet. Es haftet ihm an und er wird es nicht mehr los. Mit vier Jahren verliert er seine Eltern bei einem Autounfall und lebt seitdem bei seinem fürsorglichen Großvater. Sie wohnen in einem winzigen Küstendorf in den USA und der Grossvater schlägt sich mehr schlecht als recht mit Fischfang durch. Manchmal nimmt er Angler mit raus und verdient somit ihren gemeinsamen Unterhalt. Nantes Hund wurde bei einem Wirbelsturm weggefegt und alles, was er sonst noch anpackt misslingt. Der Toaster produziert nur schwarze, verkohlte Brote. In der Schule ist der Aussenseiter, da niemand mit so einem Tollpatsch zutun haben will. Immer an seiner Seite die intelligente und anstrengend alleswissenende Gen(esis), die immer versucht ihn trotz seiner Missgeschickte zu Unternehmungen mitzunehmen. Sie ist u.a. eine große Kämpferin für die Seeschildkröten, die einmal im Jahr am Strand des Dorfes ihre Eier legen.
An einem sonnigen Tag gehen die beiden zum Minigolfspielen und Nate ist klar, dass es ein Desaster werden wird. Als dann auch noch Mitschüler auf einer anderen Bahn unterwegs sind, ist der Ofen komplett aus. Sie amüsieren sich herrlich, weil Nate alle Bälle versemmelt. An diesem wolkenlosen Tag knallt ein Blitz vom Himmel und trifft Nate, dessen Minigolfschläger als Blitzableiter dient. Er wacht im Krankenhaus auf, ist einigermaßen fit und hat den Griff des Schlägers in seine Haut eingebrannt. Ab diesem Moment wird aus Pech Glück und es gelingt ihm alles, was er unternimmt, was er anfasst. sogar der Toaster produziert perfekte Scheiben fürs Frühstück. Als er bei einem Baseballspiel einen fast unhaltbaren Ball fängt und kurz danach seinen ersten Homerun hinlegt, ist er der gefeierte Star der Klasse, der ganzen Schule.
Die Autorin Bobbie Pyron erzählt in einem sehr witzigen Ton die Geschichte dieses Wunderknaben, wobei hinter ihrer humorvollen Erzählweise eine große Portion Ernstaftigkeit steckt. Was passiert, wenn jemand plötzlich der Liebling der Schule wird, wo er doch vorher nur Gen hatte, die zwar oft nervt, aber trotzdem immer da ist? Wie verändere ich mich, wenn plötzlich alles zu Gold wird? So geht es auch Nate. Er wendet sich langsam von Gen ab und geht mit seinen Kumpels zum Baseballspielen. Gen bleibt zurück und hat nun noch weniger Unterstützung im Kampf für ihre Schildkröten. Bobbie Pyron lässt noch einen Blitz vom Himmel krachen und es zeigt sich, wer wirkliche Freunde sind und was wichtig im Leben ist. Heiter und humorvoll schauen wir hinter die Kulissen der kleinen Dorfgemeinschaft und können auch Schlüsse für unser Leben, für unsere Verhaltensweisen ziehen.
Ich denke, dass die Angabe “ab 10 Jahre” prima passt und wer ein heiteres, ernsthaftes (nicht unbedingt sehr spannendes) Buch lesen will, ist hier wirklich bestens aufgehoben. Und: die Blitzeinschläge sind zwar sehr unwahrscheinlich, passen aber genau in diesen Rahmen.

Leseprobe

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