Armin Greder: “Die Insel”

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Armin Greder: “Die Insel
Eine alltägliche Geschichte”
Sauerländer/S.Fischer Verlag € 16,99

Der Schweizer Autor und Zeichner Armin Greder, der lange Jahre in Australien und jetzt in Lima lebt, gibt hier uns einen brandaktuellen Stoff in die Hand und macht es uns nicht leicht damit. Mit seinen sehr ausdrucksstarken Zeichnungen, seinen dunkelblauen Wellen, die sich bedrohlich mehrfach über Doppelseiten hinwegziehen, seinen fast karikaturhaften Fratzen der Inselbewohner, trifft er genau die jetzige Stimmung in unserem Land. Bemerkenswert, dass diese Buch 2002 zum ersten Mal erschienen ist.
Ein Fremder taucht auf einer Insel auf. Er ist anders. Er ist nackt. Er ist nicht wie die Inselbewohner. Dieser Fremde steht am rechten Rand, klein auf einer Doppelseite und schlagen wir um, so sehen wir eine Menschenmenge, die fast die Doppelseite ausfüllt. Diese Menschen schauen verstört, verängstigt, auch gewaltbereit und gehen mit Mistgabeln und Harken bewaffnet auf diesen Fremden zu. Sie wissen überhaupt nicht, mit dieser neuen Situation umzugehen und meinen, dass es wohl besser wäre, wenn er wieder weggehen würde. Es würde ihm hier auf dieser Insel sowieso nicht gefallen. So weit weg von seinen eigenen Leuten. Nur eine Stimme, die mehrfach auftaucht, mahnt. Es ist der Fischer, der nie abgebildet ist. Aber er weiss, wie es auf dem Meer aussieht und dass es der Tod des Fremden wäre, ihn wieder hinauszuschicken. “… und den möchte ich nicht auf dem Gewissen haben. Wir müssen ihn aufnehmen.”
So geschieht es auch. Sie sperren ihn in einen unbenutzten Ziegenstall und gehen ihrer normalen Arbeit nach. Sie versuchen ihn zu vergessen, was ihnen aber nicht gelingt, da schon die Kinder diese neue Situation nachspielen. Als der Fremde eines Tages in der Ortschaft erscheint, ist der Schrecken groß, wie eine verängstigte Figur, die an den Schrei von Munch erinnert, zeigt. Die Bewohner packen ihn und schreien ihn an, bis sie hören, was der Fremde zu sagen hat. Er habe Hunger, er habe seit Tagen nichts gegesssen, meint er und der Fischer sagt, dass sie ihm helfen müssen. Aber durchfüttern geht nicht, sagen die anderen und versuchen ihn als billige Arbeitskraft einzustellen, damit er ihnen nicht auf der Tasche liegt.
Doch die Stimmung kippt, der Hass auf den Fremden, von dem vielleicht eine große Gefahr für die Inselbewohner ausgehen könnte, schwillt weiter an, bis die Situatuion eskaliert.
Armin Greder hat hier ein beeindruckendes Bilderbuch geschrieben und gezeichnet, das für (mehr) Menschlickeit plädiert, in einer Zeit, in der Ängste geschürt werden. Gleichzeitig ist unsere Welt voller Kriege, in denen wir als reiche Länder involviert sind, ohne dass wir es auf den ersten Moment wahrhaben wollen. Und so ist es unsere Pflicht, dass wir uns diesen Menschen annehmen, obwohl dies nicht leicht werden wird und Konflikte schon vorprogrammiert sind.
Heribert Prantl hat ein Nachwort zu diesem Buch geschrieben und mahnt uns, diese fremden Menschen wie unsereins zu behandeln, denn sie sie brauchen Hilfe und haben Angst in dieser fremden, neuen Welt. Es ist eine alltägliche Geschichte, wie der Untertitel sagt und das Ende zeigt große Parellen zur Politik der EU, die sich abschotten will, eine große Mauer um ihre Insel errichtet, damit sie nicht belästigt wird von dieser neuen Situation, obwohl sie sich schon seit Jahrzehnten angekündigt hat. Sollen sich doch anderen Länder darum kümmern.

Illustration aus: Die Insel von Armin Greder
© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 2015
erstmals erschienen 2002 im Sauerländer Verlag

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