Kai Lüftner & Eva Muszynski: “Der Gewitter-Ritter”

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Text: Kai Lüftner
Illustratorin: Eva Muszynski
“Der Gewitter-Ritter”
Ein Wut- und Wetterbilderbuch
Klett Kinderbuch Verlag € 13,95

Im Sommer hatten wir einen Kunden, der auf der Durchrreise von Griechenland in seine Heimat Schottland war. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte mir das Wenige, was er an deutsch gelernt hatte. Eines würde in Deutschland oft benutzt, so sagte man ihm: “Großes Theater”. Naja, so oft benutze ich das dann doch nicht. Ich habe ihm dann noch erklärt, wann, wie und in welchem Zusammenhang wir das benutzen.
Und hätte ich dieses Bilderbuch damals schon gehabt, dann hätte ich ihm es zeigen können.”Großes Theater” spielt sich nämlich hier ab. Eine alltägliche Situation, die sich zu einer Tragödie erster Güte auswächst und auch so wieder verschwindet. Wir kennen, oder kannten dieses Moment alle, wenn die Kleinen wegen einer Nichtigkeit explodieren und toben. Und wenn die Eltern dann immer noch aufgeladen sind, wenn deren Nerven mal wieder extrem angespannt worden sind, dann haben die Kleinen ihren Tobsuchtsanfall längst wieder vergessen und wundern sich vielleicht, warum sie sauer angeschaut werden.
Dieses große Welttheater wird hier als Gewitter-Ritter-Ballade vorgetragen. Dieser Gewitter-Ritter tobt sich um oberen, größeren Teil des Bilderbuches, stellvertretend für das das wütende Kind, das wir am unteren Rand mitverfolgen können, aus. Er taucht aus dem Wolkengebilde auf, das sich an diesem Sommerhimmel plötzlich gebildet hat. Er wird immer größer und mächtiger, sein Pferd immer gewaltiger.

Aus der ersten Strophe:

Ganz harmlos die Sonne am Himmelzelt,
sie schaukelt stürmisch über die Welt
und leuchtet in blendend goldenem Schein –
als würde es immer so friedlich sein.

wird:

Ein Grollen, ein Gleißen, ein Dröhnen, ein Reißen,
die Wolken ergrauen, die eben noch weißen,
es rumpelt und bollert aus riesigen Röhren
und außer Gepolter ist nichts mehr zu hören.

Es wittert und wattert,
es knirscht und es knattert,
es rasselt und prasselt
und plötzlich, da plattert –
das Wasser, in Massen,
aus Kübeln und Tassen
mit Donnergetöse, ganz böse.

So wie der Gewitter-Ritter auftaucht, so verschwindet er auch wieder. Er hat die Stadt unter Wasser gesetzt, alles weggeschwemmt. Nun trottet er erschöpft, pitschnass, mit seinem Pferd am Zügel vondannen und wird immer kleiner. Die Sonne taucht auf, die Wolken werden weniger und der Himmel strahlt blau.
Auf dem unteren Rand des Bilderbuches sehen wir den kleinen Jungen, wie er sich ausgetobt hat. Er kann nicht mehr. Er hat geschriebt, geheult, gestrampelt und jetzt bleibt ein letzter Schniefer. Er entdeckt etwas Kleines am Boden, denkt sich etwas Neues aus, hat eine Idee und geht auf zu neuen Taten. Und während er glücklich, mit geschlossenen Augen davonrennt, scheint über ihm ein Regenbogen. Dieser endet direkt über ihm. Man sagt ja, dass dort, wo der Regenbogen auf den Boden trifft, ein Schatz vergraben ist. Na klar, die Kleinen sind doch unsere Schätze.

Schauen Sie ins Bilderbuch rein und entdecken Sie die gekonnte Kombination von Text und den beiden Bildebenen:

Leseprobe

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