Jillian Tamaki, Mariko Tamaki: “Ein Sommer am See“

Ein Sommer am See” wurde von einer ausgewählten Fachjury des Tagesspiegels als bester Comic des Jahres gekührt.

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Jillian Tamaki, Mariko Tamaki: “Ein Sommer am See
Aus dem Englischen von Tina Hohl
Handlettering von Michael Hau
Reprodukt Verlag € 29,00

Rose verbringt jeden Sommer mit ihren Eltern die Ferien am See. Dort steht ein kleines Holzhaus, die Zimmer sind hergerichtet vom letzten Jahr und Rose freut sich auf das Treffen mit Windy, ihre eineinhalb Jahre jüngere Freundin. Alles soll wie immer werden. Baden im See, grillen am Strand, faulsein, lesen, rumhängen.
Doch in diesem Sommer wird es anders. Rose ist kein Kind mehr, aber auch noch lange keine Frau. Ihre Mutter hat sich immer mehr in sich zurückgezogen, die Eltern streiten sich. Sie trägt die Trauer um ein weiteres Kind in sich, das sie nie bekommen wird. Dies ist Rose jedoch noch nicht klar und so ist Windy für sie wie ein kleine Schwester. Aber so unbedarft ist die Kleine auch nicht mehr. Als die Beiden am Strand liegen, unterhalten sie sich über ihre Brüste, Titten, Möpse. Wie gross sie wohl werden und ab wann sie einen BH brauchen. Sie sind große Kinder und doch schnuppern sie in die Welt der Erwachsenen, die sie aber noch nicht verstehen. Warum ist Roses Mutter so traurig, warum die Grossmutter von Windy so komisch? Doch dies alles belastet die Beiden nicht. Sie genießen ihre Tage, schwimmen, gehen einkaufen und leihen sich DVDs aus, die eigentlich nichts für sind. In diesem Tante Emma Laden, bekommen sie von einem Jungen, der dort im Sommer arbeitet, Filme ausgeliehen, die erst ab 16 oder 18 sind. Kettensägenmasacker und andere Horrofilme gilt es gemeinsam anzuschauen. Es ist ein Zeichen von Erwachsenensein, dies auszuhalten.
Rose verliebt sich in diesen Jungen, der sie jedoch nicht bemerkt. Die Beiden tauchen immer wieder in diesem Laden auf, registrieren das Gerede dieser älteren Jungs und deren Verhältnis zu Mädchen. Das Worte Schlampe taucht auf, das die beiden Mädchen auch sofort übernehmen. Sie bemerken, dass es um eine ungewollte Schwangerschaft in dieser Clique geht. Um Liebe, Sex, Verzweiflung.
Verzweifelt sind auch die Eltern von Rose, da sie sich nicht mehr nahekommen können. Zu groß ist der Verlust des nicht gekommenen Kindes.
Mariko Tamaki und ihre Cousine Jilian Tamaki haben einen großartigen Coming of Age Roman geschrieben und gezeichnet. Die Bilder ergänzen den Text, erweitern ihn und führen Details aus, die in der knappen Sprache nicht vorkommen. Gedanken, Erinnerungen und Träume tauchen auf, die im Text nicht zu finden sind.
Das dicke Buch ist für alle Leser und Leserinnen, auch wenn sie sich bisher nicht mit Graphic Novels beschäftigt haben. Sie werden das Buch sicherlich immer wieder in die Hand nehmen, darin blättern und Dinge entdecken, die Ihnen beim ersten Durchlesen nicht aufgefallen sind. Zu recht wird er mit Preisen überhäuft.

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Interview mit Mariko Tamaki

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