Andrew Rae, Catherine Ingram: “Wo ist Warhol?”

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Andrew Rae, Catherine Ingram:Wo ist Warhol?
Übersetzt von Sabine Schulz
Diaphanes Verlag € 16,95

Ja, was ist das denn? Macht der Diaphanes Verlag jetzt auch Kinderbücher? Oder ist das Wimmelbuch für Erwachsene. Genau das Format und Form- und Farbgebung wie “Wo ist Walter?”, heißt es hier “Wo ist Warhol”. Andrew Rae, der sich schon seit längerem mit Warhol beschäftigt, verführt uns alle mit diesem Such- und Findebuch. Genauso angelegt, wie die Walter-Bücher, befinden wir uns in verschiedenen Szenen. Am Meer mit Marcel Proust, oder in der Sixtinischen Kapelle. In Pompeji und am Bauhaus. Warhol und seine Freunde können wir auf diesen Bilder entdecken. Persönlichkeiten aus seinem Bekanntenkreis: Musiker, Maler, Sportler, Politiker verstecken sich in diesem Gewusele. Und wem das alles zu schwer ist, wer nicht weiß oder wissen kann, wer sich wo versteckt hält und was es mit ihr, oder ihm auf sich hat, der findet im Anhang eine komplette Liste (mit Abbildung) der Persönlichkeiten mit einer kurzen Biografie.

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Dies schreibt der Verlag:

STUDIO 54

Das New York der 1970er-Jahre war im Vergleich zu heute eine völlig andere Stadt. Vor dem Hintergrund hoher Kriminalität, politischer Unzufriedenheit und sozialer Ungleichheit schufen Steve Rubell [1] und Ian Schrager [2] in einem alten Fernsehstudio in Manhattan eine Insel des Hedonismus – das berühmt-berüchtigte Studio 54.

Andy Warhol ließ sich fast jede Nacht dort sehen. Zu seinem Kreis gehörten Elizabeth Taylor [3], Liza Minnelli [4], Elton John [5], Yves Saint Laurent [6] und Truman Capote [7]. Warhol umgab sich am liebsten mit blutjungen und wunderschönen Menschen, aber im Club boten sich ihm auch Geschäftschancen. Warhol war zum Porträtisten von Prominenten und Stars geworden, und das angesagte Studio 54 war der perfekte Ort, um an neue Aufträge zu kommen.

Für gewöhnlich hing die Elite vor dem DJ-Pult oder auf der Galerie herum. Diana Ross [8], Michael Jackson [9] und Grace Jones [10] schnappten sich immer wieder mal das Mikro. Truman Capote liebte es, den DJ zu spielen. Pop-Ikonen, Filmstars, Spitzensportler, ja eigentlich jeder, der irgendwie berühmt und auf New-York-Besuch war, tauchte früher oder später im Club auf. Trotzdem gab es für keinen Prominenten die Garantie, hereingelassen zu werden. Die Nachtclub-Legende Nile Rodgers (11) wurde abgewiesen, ging nach Hause und schrieb den Studio-54-Klassiker »Le Freak«.

Die Türpolitik im Studio 54 ließ sich nicht ergründen. Der Türsteher Marc Benecke [12] hatte die Anordnung, jede Nacht von neuem die perfekte Mischung zusammenzustellen. Man tat alles, um aufzufallen, und die Outfits wurden immer exzentrischer. Manchmal klappte es. Aber dann würzte Benecke das Publikum vielleicht lieber mit einer Prise irgendwelcher McDonalds-Angestellter, die eben von der Schicht kamen, oder mit ein paar braven Typen aus Harvard. Stundenlang standen die Leute Schlange hinter dem violetten Band und hätten alles darum gegeben, ins Studio 54 eingesogen und ins seligmachende Wummern der Disco-Beats und der zuckenden Techno-Lichter hineingeworfen zu werden. Die ganze Nacht über liefen Disco-Klassiker wie Anita Wards »Ring My Bell«.

Die Fashion-Ikone Diane von Fürstenberg [13] erinnert sich: »Ich aß mit meinen Kindern zu Abend, zog meine Cowboystiefel an und ging für ein paar Stunden rüber.« Und »Disco Sally« [14] erlebte eine völlige Verwandlung. Die clevere Anwältin war mit 77 Jahren Witwe geworden. Sie trauerte noch um ihren verstorbenen Mann, als sie das Studio 54 entdeckte. Im Nu wurde sie zum vollendeten »Club Kid«, mit enganliegenden Hosen, knöchelhohen Sneakers und einem unverwechselbaren Tanzstil.

Jede Nacht wurde eine andere Party gefeiert. War man einmal nicht da, wurde einem von Andy Warhol garantiert unter die Nase gerieben, dass man die BESTE aller Partys verpasst hatte. Oft gab es Themennächte. Filmpremieren fanden im Club statt, Promis ließen es dort krachen. Bei Bianca Jaggers [15] Party saß das Geburtstagskind auf einer wunderschönen weißen Stute. Steve Rubell schenkte Warhol einen Mülleimer voller Geld zum Geburtstag. Und Warhol sagte, es sei das schönste Geschenk, das er je bekommen habe.

Die letzte Party im Studio 54 war dagegen eine eher düstere Angelegenheit. Im Dezember 1979 wurden Rubell und Schrager wegen Steuerhinterziehung verhaftet; in den Wand- und Deckenverkleidungen des Clubs waren Geldverstecke gefunden worden. Bevor sie ihre dreizehnmonatige Gefängnisstrafe antraten, gaben sie eine Abschiedsparty. Und die Promis erwiesen ihnen die Ehre; Diana Ross brachte den Betreibern ein Ständchen, und Rubell spielte passenderweise den Song »My Way«.

 

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