Mikael Engström: „Kaspar, Opa und der Feuerteufel„

Mikael Engström:Kaspar, Opa und der Feuerteufel
Mit Illustrationen von Peter Schössow
dtv € 11,95
Für Kinder ab 9, aber auch schon prima zum Vorlesen für etwas Jüngere

Nachdem Kaspar und Opa dem Monsterhecht an die Schuppen und dem Schneemenschen ans Fell geraten sind, haben es meine derzeitigen Lieblingshelden im Kinderbuch diesmal mit einem Feuerteufel zu tun.
Kaspar und seine beste Freundin, die zwei Jahre ältere Lisa, streifen durchs Birkenwäldchen ihres kleinen schwedischen Orts, in dem der geizige Ladenbesitzer Atom-Ragnar (der so heißt, weil er nicht glaubt, dass Atome existieren) das Regiment führt. Aus den zwei vorherigen Bänden ist er uns bereits bekannt, genauso wie die schrullige, alte Isabell, die den Weltuntergang herbeibefürchtet, der einfältige Polizei-Oskar und Lisas tolle Mama Mia. Aber auch neues Personal kommt hinzu. Wir lernen Sven, Lisas sauer- (nicht krank-)geschriebenen Papa kennen und eine protzige Familie aus der Stadt, die samt Wohnwagen auf dem Kiesplatz vor Atom-Ragnars Laden idyllische Ferien auf dem Lande verbringen möchte.
Mittsommer naht, aber plötzlich gehen nicht nur eine vollgerumpelte Scheune und eine Friedhofskapelle in Flammen auf. Die Kinder werden verdächtigt und das gemütliche Leben mit Opa auf der Holzbank vor dem Schuppen wird ordentlich durcheinander gewirbelt. An Bier und Orangenlimonade neben dem wunderschönen Pfingstrosenbusch ist fürs Erste jedenfalls nicht mehr zu denken.
Dieses feinsinnige, lustige und spannende Abenteuer berührt Herz und Hirn. Liebe Erwachsene: Lest das Buch vor, es wird euch und euren Zuhörern sehr viel Freude machen.
Ach, übrigens wussten Sie, daß Marienkäfer nicht rot mit schwarzen Punkten sind, sondern eigentlich schwarz mit rotem Überzug und darin sind dann wieder Löcher? Aber das kann am Besten der Opa erklären.

Leseprobe

Mikael Engström, geboren 1961, begann seine Schriftstellerlaufbahn mit Erzählungen für jüngere Kinder. Seine Jugendromane ›Brando‹ und ›Steppo‹ wurden hochgelobt, sein Buch ›Ihr kriegt mich nicht!‹ wurde 2010 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Mikael Engström: “Kaspar, Opa und der Schneemensch”

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Mikael Engström: “Kaspar, Opa und der Schneemensch
Mit vielen Illustrationen von Peter Schössow

dtv € 11,95

Endlich! Kaspar und Opa sind zurück! Der zweiten Band mit den beiden ist erschienen. Und war die Geschichte mit dem Monsterhecht schon lustig, geht es jetzt so richtig ans Eingemachte.
Alles könnte so schön sein. Es ist Winter, Schnee liegt überall, die Schlitten stehen bereit, es ist saukalt und Kaspar und Opa schnitzen zusammen ihre Holzpferdchen, die sie im kleinen Dorfladen verkaufen. Dort bekommt Opa seinen Schnupftabak und Kaspar seine Würstchen, so war es immer, und das ist gut. Der Krämer Atom Ragnar, der immer in wissenschaftlichen Zeitschriften blättert, nicht an Atome glaubt und Kaspar dieses Mal Fotos eines Schneemenschen, eines Yetis, zeigt, bringt schon einiges ins Rollen. Kaspar ist fasziniert von der Vorstellung, daß es ein solches Wesen geben könnte, Großvater lehnt dies jedoch komplett ab. Er glaubt an die realen Dinge des Lebens und freut sich auf sein Bier, das er hier kauft und daheim genießt. Daß die angeberische Frau Åhman nervt, ist doch gar nicht so schlimm. Die ist leicht zu erschrecken. Und sei es nur mit einem nachgemachten Yeti Kostüms. Aber daß sich in diesem Winter Tanti Karin, die Schwester von Großvater, ankündigt, bringt das gemütliche Leben der Männer WG durcheinander. Opas Kopf fühlt sich schon ganz schwummerig an beim Gedanken an Karin, und auch Kaspar vermisst die gemütliche Zweisamkeit. Kann man die Tante nicht auch mit dem Schneemenschen verscheuchen.
Ein heilloses Durcheinander und kein Bier und keine Würstchen. Dafür aber Kirchenlieder auf dem Harmonium. Das kann nicht lange gutgehen.
Ein spannender, lustiger, hintergründiger Roman für Kinder ab 9 Jahren und ganz sicher auch ein großer Spaß für alle Erwachsenen, die es bitte schön selberlesen sollten und/oder auch Vorlesen.

Leseprobe

Kate DiCamillo: Little Miss Florida

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Kate DiCamillo:Little Miss Florida
Aus dem Amerikanischen von Sabine Ludwig
Kinderbuch ab 10 Jahren
dtv € 12,95

Um was es bei diesem “Little Miss Florida”-Wettbewerb geht und für was sie diesen Wirbelstock brauchen, ist mir nicht ganz klar. Klar jedoch ist, daß dieses neue Buch von Kate DiCamillo ein super Buch für Mädchen ab 10 Jahren ist. Ein flotte Geschichte, einige tiefschürfende Probleme und eine Mädchenfreundschaft, die sich erst während des Buches bilden wird. Frech, witzig auf einem ersten Hintergrund. Kate Di Camillo macht das genial. Einfache Sprache und kurze Kapitel, so daß der Gedanke immer wieder aufkommt: “Eins schaff ich noch vor dem Augenzumachen” und schwupps ist das Buch gelesen.
Es sind Raymie, die diesen Wettbewerb gewinnen will, damit ihr Vater ein Bild von ihr in der Zeitung sieht und wieder zurückkommt. Louisana braucht dingend Geld, damit sie und ihre Oma über die Runden kommen. Das Kinderheim wartet praktisch schon auf sie und dem will sie unbedingt entkommen. Und Beverly? Na die will nichts mehr als den Wettbewerb sabotieren. Ihr Vater ist Polizist und ihre Erfahrungen werden den drei Mädchen noch sehr nützen. Sie versuchen nämlich u.a. Louisannas Hund bei Nacht und Nebel aus dem Heim zu befreien. Sie brechen ins Haus ihrer Trainerin ein und entwenden ihren liebsten Pokal. Ein Racheakt, der sich im Buch erklärt. Diese Aktionenen schweißen die Mädchen sehr eng zusammen und am Ende ist es gar nicht mehr so wichtig, den Preis zu gewinnen.Obwohl? Nein, es ist sehr wichtig, dass Louisanna unbedingt das Preisgeld erhält. Ob das alles klappt, ob sie doch noch bei ihren Aktionen erwischt werden, das verrate ich natürlich nicht.
Ein tolles Buch über Freundschaft und Vertrauen mit viel Wärme und Witz erzählt, so daß es uns Erwachsenen auch großes Vergnügen bereitet hat

Leseprobe

Ute Wegmann: “Dunkelgrün wie das Meer”

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Ute Wegmann: “Dunkelgrün wie das Meer
Mit vielen Illustrationen von Birgit Schössow
dtv (gebunden) € 12,95
als E-Book € 9,99

Endlich Ferien, endlich wieder an das geliebte Haus am Meer, wie die letzten Jahre. Die Eltern packen das Auto, Linn versucht nichts zu vergessen. Sie freut sich auf die Tage am Meer, am Strand, mit ihren Eltern und auf ihre Freundin Smilla. Doch dieses Jahr kommt es anders. Die Eltern haben Knatsch. Auf der Hinfahrt im Auto, bei strömendem Regen, herrscht eine giftige Stimmung und Linn rollt sich auf dem Rücksitz zusammen und träumt sich weg. Linns Vater hat noch einen wichtigen Termin und muss am selben Tag noch einmal zurück, um drei Tage später endlich nachzukommen. So geschieht es und Linns Mutter ist über diese Situation wütend und hat auch nicht die Muße, sich um Linn zu kümmern. Aber es kommt noch schlimmer. Smille, die erwähnte Freundin, steckt mit einem anderen Mädchen zusammen, gackert und tuschelt mit ihr rum und lässt Linn links liegen.
Irgendwie ist dies für Linn zuviel und vielleicht braucht es ein reinigendes Gewitter, um die Situation wieder ins Lot zu bringen. Und dieses Unwetter kommt in Wort und Bild, während sich Linn in einer Holzhütte versteckt hält und von den Eltern und der Polizei gesucht wird. Die verquere Situation klärt sich auf und Linn ist ihre Einsamkeit und Trauer wieder los, denn sie weiss, dass sie sich auf ihre Eltern verlassen kann und dass Smilla immer noch ihre Freundin ist.

Ute Wegmann hat ein einfühlsames, ruhiges Buch geschrieben, dass die Gefühlswelt der neunjährigen Linn exakt trifft und in die wir uns gut hineinversetzen können. Die Illustrationen von Birgit Schössow passen ausgezeichnet dazu, wie Sie im Buchtrailer schön erkennen können.

Ich wünsche Ihnen mit diesem Buch einen guten Start in die zweite Ferienwoche.

Leseprobe

Jenny Valentine: “Durchs Feuer”

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Jenny Valentine:Durchs Feuer
Aus dem Englischen von Klaus Fritz
dtv € 14,95
E-Book € 12,99
Fire Colour One” € 11,99

Lange musste ich auf den neuen Jugendroman von Jenny Valentine warten. Das hat wohl auch den Grund, dass sie und ihr Vater ein Jahr lang schwer krank waren. Er ist gestorben, sie hat überlebt. Am Grab bemerkte sie, wie gut sie ihren Vater kannte und wie fremd er ihr doch in vielen Dingen war. Sie wollte kein Buch über ihn schreiben, ein Junge sollte im Mittelpunkt stehen. Aber immer mehr drängelte sich Iris in den Mittelpunkt und dann taucht auch noch ein unbekannter, schwer kranker Vater auf, der im Sterben liegt.
Jenny Valentines Vater beschwerte sich, dass in ihren Romanen keine Väter vorkämen. “Womit haben ich das verdient.”, pflegte er zu sagen. “Für meinen Vater”, schreibt Jenny Valentine als Widmung ins neue Buch.

Jenny Valentine ist bekannt durch ihre frechen, witzigen Jugendbücher. Herzhaft lachen kann man auch über die Kiki-Reihe für Kleinere. Auch hier legt sie sofort los, bastelt ihre Personen zu einer gute Mischung zusammen. Im Mittelpunkt steht Iris, die mit sich und ihrer Umgebung nicht wirklich im Reinen ist. Ihre leibliche Mutter ist eine Barbiepuppe, äußerlich und auch im Kopf. Ihr Stiefvater ein verkrachter TV-Serien-Darsteller. Iris zündelt gerne und hat dadurch auch immer wieder Probleme mit der Feuerwehr, der Polizei und stellt sich damit selbst ins Abseits. Als sie von ihrem leiblichen Vater Ernest erfährt, nimmt die Geschichte so richtig Fahrt auf.
Den Eltern möchte man gerne eine scheuern, aber wir lachen beim Lesen lieber über sie. Iris’ Vater dagegen ist aus ganz anderem Holz geschnitzt und steht als Gegenpol zu diesen hohlen Fassaden. Hier übertreibt Jenny ein wenig, zeichnet zu klischeehaft und ich dachte schon, …. jetzt aber. Doch genau in diesem Moment, wie wenn sie es gespürt hätte, dreht sie an der Einstellschraube und lässt diesen Roman in einem fulminanten Show Down enden. Selten so einen Schluss gelesen. Immer wenn wir meinen, ja, jetzt bekommt ihre geldgierige Mutter noch eins drauf, zieht Jenny Valentine eine weitere Schublade auf und zündet ein nächstes Feuerwerk. Aber damit nicht genug.
Lassen Sie sich überraschen.
Ein ideales Lesefutter, das Kinder wahrscheinlich in einem Rutsch durchlesen und, ich vermute schwer, gleich noch einmal durchblöättern, weil sie beim schnellen Reinfressen, das eine oder andere übersehen haben.

Der dtv Verlag veröffentlichte auf seiner Homepage ein Interview mit der Autorin, das ich hier wiedergebe.

Interview

Frau Valentine, wie sieht für Sie der perfekte Platz zum Schreiben aus?

Das Gute beim Schreiben ist, dass man es überall machen kann. Zu Hause habe ich ein wunderbares Arbeitszimmer mit Holzofen. Im Sommer arbeite ich oft in einem umfunktionierten Pferdeanhänger im Garten. Manchmal schreibe ich aber auch einfach im Bett. Wenn ich auf Reisen bin, kann ich auch gut im Zug arbeiten. Allerdings ist der Ort für mich gar nicht so wichtig. Vielmehr kommt es auf die richtige Stimmung an. Wenn ich mir über etwas sorgen machen oder wenn ich abgelenkt bin, ist es egal wo ich bin – ich bekomm einfach nichts auf Papier.

Sie sind nicht bekannt für typische Teenager-Lovestorys. Auch Ihr neuer Roman ›Durchs Feuer‹ ist tiefgründig und entwickelt gleichzeitig einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann. Wie schaffen Sie es Themen wie Tod, Verlust, aber auch Lebenslust und Komik in einem Buch unterzubringen?

Stimmt, ich bin Liebesgeschichten bislang aus dem Weg gegangen. Jetzt reizt es mich aber doch, eine zu schreiben. Es ist ziemlich schwierig, dabei nicht zu kitschig zu klingen und nicht ins Klischee von der ewigen Liebe und dem Happy End abzudriften, zumal ich selber gar nicht daran glaube. Davor habe ich wirklich Angst. Ehrlich? Tod, Verlust, Lebensfreude und Humor sind im wahren Leben eng miteinander vereint. Daher ist es eigentlich kein so großer Kunstgriff, sie alle zusammen in einem Buch unterzubringen.

Die Tiefe Ihres Romans entsteht besonders durch die Dialoge zwischen der Hauptprotagonistin Iris und ihrem Vater Ernest. Sie sind oft tieftraurig und komisch zugleich. Ist Trauer und Glück für Sie kein Gegenteil?

Es ist nicht so, dass ich glaube, dass Glück und Trauer keine Unterschiede sind – allein weil sie sich so unterschiedlich anfühlen. Aber ich denke, dass Glück und Trauer für jeden sehr nah beieinander liegen.

Das Element Feuer ist ein wichtiger Eckpfeiler Ihres neuen Romans. Welche Symbolkraft steckt hinter der zündelnden Iris?

Ich denke, Iris ist besessen von Feuer, da sie so viel Wut in sich trägt und gleichzeitig so wenig Kontrolle über die Ereignisse in ihrem Leben hat. Das Zündeln fühlt sich für sie an wie ein inneres Aufräumen und wie ein Neubeginn – ein Ausdruck von Zorn und Neustart zugleich. Ich habe gar nicht so viel darüber nachgedacht, als ich das Buch geschrieben habe. Wir leben in einem relativ kalten Haus und verbringen viel Zeit damit, das Kaminfeuer zu schüren und in die Flammen zuschauen. Daher kam wohl die Idee mit dem Feuer.

Ein anderes wichtiges Thema in Ihrem neuen Buch ist die Kunst. Welche Rolle spielt die Kunst in Ihrem Leben?

Für mich handelt die Geschichte von der Macht der Kunst. Kunst kann uns verändern – manchmal für immer, manchmal für ein paar Sekunden. Es geht um die magische Energie, die die Kunst beim Schaffen und auch beim Betrachten besitzt. Iris Freund Thurston etwa ist Künstler, der genau für diese magische Energie lebt. Er leistet Unmögliches, um Augenblicke wieder greifbar zu machen, er kreiert Szenen und sprayt auf Wände und leerstehende Schwimmbecken.
Kunst bedeutet für mich, im Hier und Jetzt zu leben. Wenn ich schreibe, lese, Filme schaue, Musik höre oder eben vor einem Kunstwerk stehe, versuche ich bewusst nicht zu denken, um einfach in diese Magie einzutauchen. Alles ist fließend und gleichzeitig immer verfügbar – eigentlich genau wie das Leben selbst.

Haben Sie beim Schreiben einen bestimmten Leser im Hinterkopf oder konzentrieren Sie sich ganz auf die Story?

NIE! Ich denke nicht an den Leser oder das ich die Schriftstellerin bin. Ich versuche einfach in der Geschichte zu verschwinden.

Was wollen Sie mit dem Buch Ihren Leserinnen und Leser mit auf den Weg geben?

Keine Message. Einfach eine gute Geschichte.

Leseprobe

Bart Moeyaert: “Hinter der Milchstraße”

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Bart Moeyaert: “Hinter der Milchstraße
Aus dem Niederländischen von Miriam Pressler
dtv € 8,95
Gebunden im Hanser Verlag € 14,90
Als E-Book € 8,99
Jugendbuch ab 11

Da flammt natürlich sofort die Diskussion wieder auf: Ist das ein Kinder/Jugendbuch? Verstehen das Kinder ab 10 Jahren? Muss das so sein? Kann der Auto nicht einfach nur ne spannende Geschichte schreiben? Drei Bände, oder sieben? Sind Bücher, wie Heidelbachs “Rosel von Melaten”, oder Stian Holes “Morkels Alphabet” noch Bilderbücher?
Ja, ja, das sind sie. Wir müssen nur wissen, wie wir damit umgehen. Anders lesen, anders vorlesen. Uns auf die Gedanken der Kinder einlassen. Dass dies nicht so einfach ist, wie beim Glitzerfisch, oder bei Findus und Pettersson liegt auf der Hand.
Bart Moeyaerts Buch über die Tage und Wochen im glühenden Sommer mit Oskar, seinem Bruder Bossie und dem Mädchen Geesje liegt bei uns in der Buchhandlung auch auf dem Tisch mit Bücher für Erwachsene. Einfach deshalb, weil es ein kleiner Text ist, der Sie gefangen nimmt. Und wenn er einen anderen Umschlag hätte, würden sich die Besprechungen überschlagen. wie sich ein Autor so fein, so unaufdringlich und doch intensiv in die Kinderseele des (vielleicht 7-jährigen) Oskars hineinversetzen kann. Wenn Sie das Buch gelesen haben (Sie werden es nicht aus der Hand legen), dann verstehen Sie auch die Intension des Autors und merken, dass es natürlich auch und gerade ein Buch für Kinder und Jugendliche ist. Mit all seiner Fremdheit, seiner anderen Art eine Geschichte zu erzählen.
Oskar, sein großer Bruder Bossie und die dazugehörende Geesje (immer mit einem Buch vor den Augen) verbringen die drückend heissen Tage der Sommerferien in ihrem Clubhaus ohne Wände und ohne Dach, das in Wirklichkeit nur eine Mauer ist. Von dort oben beobachten sie , das Wenige, was sich auf der darunterliegenden Milchstraße abspielt. Die Milchstraße, die eigentlich weit entfernt am nächtlichen Himmel hängt, aber halt auch in der prallen Sonne, direkt vor ihren Füßen. Sie sehen auf einen Schrottplatz und kommentieren das Gassigehen der alte Nancy Sinatra mit ihrem Hund. Wobei es eher ein Schlurfen ist. Von beiden. Sie wetten, wer von beiden wohl als erstes stirbt – Nancy oder der Hund. Diese Wette verändert einiges, in der stehengebliebenen Zeit des Sommers, die an das Bild von Dalis geschmolzenen Uhren denken lässt.
Bossie und Oskar geraten sich in die Haare, Geesjes Tante liegt im Sterben, Nancy Sinatra taucht nicht mehr auf. Der Hund bleibt verschwunden. Ein fremdes Mädchen taucht auf und verpasst Oskar ein Veilchen. Zuhause versteckt sich der Vater, wie üblich hinter seiner Arbeit. Oskars und Bossies Mutter ist seit Wochen im Süden Italiens, hat den blauen Koffer gepackt um den Wirrwarr in ihrem Kopf sortieren zu können. Was Oskar bleibt, sind ihre Postkarten und Briefe, in denen allerdings nur Banales steht. Für ihn verstecken sich hinter diesen Zeilen jedoch fremde Welten, Hoffnungen und Sehnsüchte.
Für Oskar gibt es eine Fahrt mit dem klapprigen LKW der Beiden vom Schrottplatz, die Alteisisch reden. Raus aufs Land zu einer besonderen Frau und einem Mädchen im Rollstuhl. Eine andere Welt, die er nicht verkraftet. Oskar verrät Geesje, konkurriert mit seinem älteren Bruder und hofft, dass alles wieder so wird, wie es einmal war.
Bart Moeyaert ist ein Meister im Andeuten, im Skizzieren und kann mit einem feinen Pinselstrich ein großes Bild in unseren Köpfen entstehen lassen. Er versteht es in seiner unaufgeregten Sprache große Gefühle zu beschreiben, für die andere Autoren ganze Seiten bräuchten. Es ist das Chaos im Kopf von Oskar (nicht nur bei seiner Mutter). Es geht um Verlust und Hoffen, Zuneigung, Hingabe, Schuld und Ausgeliefertsein und um einen Sommer, wie es ihn nicht mehr geben wird. Aber auch um Versöhnung, um Annäherung, Liebe und Trauer.

Lesen Sie “Hinter der Milchstraße” und Sie werden das Buch nicht mehr vergessen. Und wenn Oskars Papa am Ende aufgeregt am Telefon redet, aufgekratzt aus seinem Arbeitszimmer stürmt, ahnen wir, das die Mama doch vielleicht wieder kommt.

Als der Eismann in die Sandstraße einbog, schlug ich vor, wir sollten uns ein Eis holen. Ich sagte, ich hätte Geld für Stracciatellalalala.
Sie wollte kein Eis.
Ich sagte: “Aber ich habe Geld.”
“Aber ich habe keine Lust”, sagt Geesje.
Ich fragte, wie es mit ihrem Buch gehe.
“Gut”, sagte sie. “Fast fertig”
Ich sagte: “Ich warte.”

Was für Ende. Zum Niederknien.

Leseprobe

Matthias Morgenroth / Regina Kehn: “Freunde der Nacht”

Unsere Kinderbuchexpertin Anja Reiprich empfiehlt:

Nacht

Matthias Morgenroth: “Freunde der Nacht”
Mit Illustrationen von Regina Kehn

dtv, fest gebundenen € 14,95
Kinderbuch ab 10 Jahren

Die Geschichte spielt in der Johanninacht. Jojo und Lea sind beste Freunde, was
Jojo allerdings noch nicht weiss, ist, dass Lea am nächsten Tag umzuiehen muss.
Deswegen möchte Lea die Geister und Nächtlinge der Johanninacht bitten, ihr
den grössten Wunsch zu erfüllen, nicht wegziehen zu müssen. Die beiden essen
Johannikraut und tatsächlich sehen sie Nächtlinge und Vampiller.
Damit Lea den Wunsch äußern kann, müssen sie durch den Wald und den König der
Nächtlinge finden. Doch dieser versteht den Wunsch falsch und die beiden müssen sich einen Plan ausdenken, damit sie vor Sonnenaufgang wieder aus dem Wald draussen sind.
Grosses Leseabenteuer für Jungs und Mädchen ab 10, hat mir sehr gut gefallen!
Schön gestaltet, je weiter es in die Nacht reingeht, desto dunkler werden die Seiten
im Buch.