Anne Kostrzewa / Inka Vigh: “Nasengruß und Wangenkuss”

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Anne Kostrzewa
Illustriert von Inka Vigh
“Nasengruß und Wangenkuss”
So macht man Dinge anderswo

Sauerländer Verlag € 14,99
Bilderbuch ab 5 Jahren

Was wir kennen und verstehen, müssen wir nicht fürchten!

In diesem farbenfrohen Bilderbuch gibt es Vieles zu entdecken. Schon im Vorwort (wann gibt es schon in einem Bilderbuch ein Vorwort) sind folgende Wörter fett hervorgehoben:
Reisen, Wanderschaft, zu Hause, Unbekannte, weltweit, Lebensweisen, Kultur, Alltag, Vielfalt.
Daran lässt sich erkennen, wohin die Reise gehen wird. Und die Illustration zu diesem Vorwort versucht auch schon die ganze Welt einzufangen. Von fliegenden Drachen bis zu Hölzhütten. Vom blickenden PC zu den Pinguinen.
Das erste Thema heisst: “Warum migrieren Menschen?” wird in folgende Abschnitte gegliedert: Sicherheit, Freiheit, Arbeit, Liebe.
Danach gibt es eine Doppelseite zu: “Was haben wir alle gemeinsam?”
Danach dann: “Wie fühlst du?” und “Was isst du?”, “Woran glauben wir?”.
Gemeinsame und unterschiedliche Feste und Riten werden genauso erläutert und witzig illustriert, wie unsere Art uns auszudrücken. Wir sprechen natürlich nicht nur mit der Stimme. Unsere Gesten und Körperhaltung gehört auch dazu. Wieviele Sprache gibt es überhaupt? Begrüßungen mit Verbeugungen, Wangenkuss und Händeschütteln sind mit verschiedenen Ländern und Völkern verknüpft. Wie und wann überreichen wir welche Geschenke? Umgangsformen, Respekt und Konflikte und natürlich Spiele finden wir auch.
Was uns fremd ist, macht uns Angst. Wir haben jedoch sehr vieles gemeinsam.

“Wir alle brauchen Freunde und unsere Familie, sind manchmal traurig oder wütend. Wir feiern und spielen gerne. Wir freuen uns über Geschenke, möchten ein sicheres Leben in Freiheit führen, lachen gerne und wollen glücklich sein.
Die Vielfalt unserer Welt ist bunt und faszinierend. Gehe sie selbst entdecken! Überall auf der Welt warten neue Freunde auf dich.”

Stefan Casta: “Das kleine Hummelbuch”

Stefan Casta:Das kleine Hummelbuch
Mit Illustrationen von Maj Fragerberg
Sauerländer Verlag € 12.99
ab 6 und auch für alle Großen

Viele Bücher sind mittlerweile über die Bienen erschienen, das ist auch notwendig, haben wir doch endlich hoffentlich verstanden, dass wir ohne diese wertvollen intelligenten Tierchen nicht leben können. Nun kommen die Hummeln, die genauso wichtig sind und wir sehr wenig über diese kleinen Brummerchen wissen.
Also es gibt: Erdhummeln, Distelhummeln, Baumhummeln, Feldhummeln, Deichhummeln, Ackerhummeln, Mooshummeln, Alpenhummeln, Waldhummeln, Sandhummeln, Obsthummeln … und noch viele mehr, es hummelt ganz vielseitig um uns herum.
Hummeln bauen ihre Nester im Boden und die Königin baut kleine niedliche Töpfchen, in die sie ihre Eier legt und setzt sich wie ein Huhn zum brüten drauf. In anderen Töpfchen wird der Honig aufbewahrt, der im Gegensatz zu den Bienen nicht als Vorrat dient, sondern bei Bedarf verzehrt wird, deswegen sind sie wohl auch so pummelig. Die Männchen duften vor der Paarung nach Lindenblüten, andere ein bisschen wie Zitrone. Wir merken, dass die Hummel für uns bis jetzt ein kleiner netter Brummer war, und mit diesem Büchlein tauchen wir in das wundersame, faszinierende Hummelreich ein.
Der Text ist so liebevoll und kindgerrecht, die traumhaften Zeichnungen lassen uns in das Tier- und Pflanzenreich eintauchen und die Hummeln, sind kleine Wesen, ohne kitschig zu wirken. Ich weiss nun auch endlich, dass Hummeln stechen können, aber ganz selten, weil sie eher gemütlich sind und dass es tatsächlich Hummelhonig gibt!
Liebe Eltern, macht Euch und Euren Kinder im Frühling ein schönes Geschenk, und dann wisst ihr auch, dass im Frühling die Hummeln am größten sind, weil sie alle Königinnen sind. Also verehrt sie auch dementsprechend,
damit sie ein grosses Volk bilden können.

Jessi Kirby: “Mein Herz wird dich finden”

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Jessi Kirby:Mein Herz wird dich finden
Sauerländer Verlag € 16,99
Jugendbuch ab 14 Jahren

Mia und Jacob sind unzertrennlich. Doch dann hat Jacob einen tödlichen
Autounfall und für Mia ist nichts mehr so wie es war. Sie zieht sich zurück,
bricht den Kontakt mit Ihren Freunden ab, will eigentlich nur noch alleine sein.
Da ihre grosse Liebe Organspender war, beginnt sie zu recherchieren, wer Dank
Jacob weiterleben kann. Sie schreibt Briefe und nimmt Kontakt auf, bekommt auch
meistens eine Antwort. Doch eine Person hat sich nicht zurückgemeldet, derjenige
der sein Herz nun trägt. Sie weiss, dass Sie es nicht darf, aber es lässt ihr keine Ruhe, sie möchte wissen wer das Herz bekommen hat. Sie geht noch einen Schritt weiter und fährt zu dem Jungen hin, möchte ihn sehen und kennenlernen.
Nervös und etwas neben der Spur fährt sie zu dem Laden, in dem Noah arbeitet. Sie
trifft ihn zum ersten Mal im Cafe und es erwischt sie vom ersten Augenblick an.
Von da an treffen die beiden sich immer öfters, unternehmen viel und verlieben
sich. Mia weiss, dass es eigentlich nicht sein darf, zudem Noah auch nicht weiss
wer sie ist. Doch Noah hilft ihr ins Leben zurückzufinden und das ist für sie
gerade sehr wichtig..

Eine wunderbare Herzschmerz Liebesgeschichte für alle Mädchen ab 14 Jahren.

Und wer danach noch mehr von der Autorin lesen möchte, dem empfehle ich das
Vorgänger Buch ” Dein eines, wildes, kostbares Leben”.
Viel Spass beim Lesen!

Leseprobe

Philip und Erin Stead: “Als Bär erzählen wollte”

Unser Buchtipp für die bunten Herbsttage.

Philip Stead und Erin A. Stead:Als Bär erzählen wollte
Aus dem Amerikanischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
Sauerländer im S.Fischer Verlag € 14,99
Bilderbuch ab 3 Jahren

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Philip Stead als Texter und hauptsächlich Erin Stead als Malerin tauchen immer wieder auf dem deutschen Bilderbuchmarkt auf. Zurecht. Sie wurden mit der Caldecott Medaille ausgezeichnet, der höchsten Würdigung für Bilderbücher auf dem us-amerikanischen Buchmarkt.
Auf unserem Blog finden Sie Besprechungen zu “Und dann ist Frühling!”, das jetzt nicht in die Jahreszeit passt. “Wenn du einen Wal sehen willst” und natürlich die wunderschöne, sentimentale Geschichte um den kranken Tierwärter, der von seinen Schützlingen Besuch bekommt, weil er sich doch sonst so fürsorglich um sie kümmert. (“Der Tag, an dem Amos Goldberg zu Hause blieb”). Diese Bilderbücher enstanden in verschiedenen Kombinationen von Textern und Illustratoren und gehören in jede Bibliothek
Das Frühlingsbuch passt im Moment nicht so richtig, am 24.(!)10., dafür aber das neue, über einen Bären, der eine Geschichte erzählen will. Gemeinsam zusammensitzen, es sich gemütlich machen und Geschichten erzählen. Was gibt es Schöneres. Gerade in diesen Wochen, wenn die Nächte immer länger werden (Achtung! Ab Sonntag gilt die Winterzeit und es wird noch früher dunkel) und wenn draußen die Kälte hochzieht.
Bär möchte eine Geschichte erzählen, trifft die kleine Maus, die jedoch keine Zeit hat. Ist es doch so knapp vor dem Winterund sie muss sich noch ein Nest bauen, um darin überwintern zu können: Bär hilft ihr und wackelt weiter. Aber auch die Ente hat keine Zeit, sie bereitet sich auf ihren Flug in den Süden vor. So geht es Bär mit all seinen Freunden, dem Frosch, dem Maulwurf, und wird seine Geschichte einfach nicht los. Der Winter kommt, er legt sich hin und schläft unter einer dicken Schneedecke ein. Als die Frühlingssonne ihn weckt, sind seine Freunde alle schon eifrig am Arbeiten und warten auf Bärs Geschichte. Doch er hat sie vergessen. Was tun? Sie setzen sich zusammen und Bärs Freunde erzählen ihm eine Geschichte, von einem Bären, der seinen Freunden eine Geschichte erzählen will.
Eine Endlosgeschichte, prima zum Vorlesen und zum Weitererzählenlassen.

Armin Greder: “Die Insel”

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Armin Greder: “Die Insel
Eine alltägliche Geschichte”
Sauerländer/S.Fischer Verlag € 16,99

Der Schweizer Autor und Zeichner Armin Greder, der lange Jahre in Australien und jetzt in Lima lebt, gibt hier uns einen brandaktuellen Stoff in die Hand und macht es uns nicht leicht damit. Mit seinen sehr ausdrucksstarken Zeichnungen, seinen dunkelblauen Wellen, die sich bedrohlich mehrfach über Doppelseiten hinwegziehen, seinen fast karikaturhaften Fratzen der Inselbewohner, trifft er genau die jetzige Stimmung in unserem Land. Bemerkenswert, dass diese Buch 2002 zum ersten Mal erschienen ist.
Ein Fremder taucht auf einer Insel auf. Er ist anders. Er ist nackt. Er ist nicht wie die Inselbewohner. Dieser Fremde steht am rechten Rand, klein auf einer Doppelseite und schlagen wir um, so sehen wir eine Menschenmenge, die fast die Doppelseite ausfüllt. Diese Menschen schauen verstört, verängstigt, auch gewaltbereit und gehen mit Mistgabeln und Harken bewaffnet auf diesen Fremden zu. Sie wissen überhaupt nicht, mit dieser neuen Situation umzugehen und meinen, dass es wohl besser wäre, wenn er wieder weggehen würde. Es würde ihm hier auf dieser Insel sowieso nicht gefallen. So weit weg von seinen eigenen Leuten. Nur eine Stimme, die mehrfach auftaucht, mahnt. Es ist der Fischer, der nie abgebildet ist. Aber er weiss, wie es auf dem Meer aussieht und dass es der Tod des Fremden wäre, ihn wieder hinauszuschicken. “… und den möchte ich nicht auf dem Gewissen haben. Wir müssen ihn aufnehmen.”
So geschieht es auch. Sie sperren ihn in einen unbenutzten Ziegenstall und gehen ihrer normalen Arbeit nach. Sie versuchen ihn zu vergessen, was ihnen aber nicht gelingt, da schon die Kinder diese neue Situation nachspielen. Als der Fremde eines Tages in der Ortschaft erscheint, ist der Schrecken groß, wie eine verängstigte Figur, die an den Schrei von Munch erinnert, zeigt. Die Bewohner packen ihn und schreien ihn an, bis sie hören, was der Fremde zu sagen hat. Er habe Hunger, er habe seit Tagen nichts gegesssen, meint er und der Fischer sagt, dass sie ihm helfen müssen. Aber durchfüttern geht nicht, sagen die anderen und versuchen ihn als billige Arbeitskraft einzustellen, damit er ihnen nicht auf der Tasche liegt.
Doch die Stimmung kippt, der Hass auf den Fremden, von dem vielleicht eine große Gefahr für die Inselbewohner ausgehen könnte, schwillt weiter an, bis die Situatuion eskaliert.
Armin Greder hat hier ein beeindruckendes Bilderbuch geschrieben und gezeichnet, das für (mehr) Menschlickeit plädiert, in einer Zeit, in der Ängste geschürt werden. Gleichzeitig ist unsere Welt voller Kriege, in denen wir als reiche Länder involviert sind, ohne dass wir es auf den ersten Moment wahrhaben wollen. Und so ist es unsere Pflicht, dass wir uns diesen Menschen annehmen, obwohl dies nicht leicht werden wird und Konflikte schon vorprogrammiert sind.
Heribert Prantl hat ein Nachwort zu diesem Buch geschrieben und mahnt uns, diese fremden Menschen wie unsereins zu behandeln, denn sie sie brauchen Hilfe und haben Angst in dieser fremden, neuen Welt. Es ist eine alltägliche Geschichte, wie der Untertitel sagt und das Ende zeigt große Parellen zur Politik der EU, die sich abschotten will, eine große Mauer um ihre Insel errichtet, damit sie nicht belästigt wird von dieser neuen Situation, obwohl sie sich schon seit Jahrzehnten angekündigt hat. Sollen sich doch anderen Länder darum kümmern.

Illustration aus: Die Insel von Armin Greder
© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 2015
erstmals erschienen 2002 im Sauerländer Verlag

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